"Multikulti ist mausetot!"

multikulti

Multikulti auf christlich

"Der Islam gehört zu Deutschland", hat der nach kurzer Amtszeit zurück getretene Bundespräsident Wulff gesagt. Im gleichen Zuge wurde wieder betont, dass Multikulti mausetot sei. Was verstand die Bundeskanzlerin Merkel unter dieser Aussage? Ich kenne keine Definition von "Multikulti" aus den Reihen der CSU/CDU, die Äußerungen Heiner Geißlers von 1991 ausgenommen: "außerdem geht es nicht darum, ob wir eine ... multikulturelle Gesellschaft wollen: wir haben sie bereits". Dennoch, meines Erachtens ist Deutschland multikulturell. Wir haben, um mit Susanne Stemmler aus dem Berliner Haus der Kulturen zu sprechen, heute eine "Multikultur 2.0". Oder, vielleicht genauer, wir brauchen eine Multikultur 2.0. Die Frage ist nur, ob wir das wollen oder nicht. Offensichtlich will derzeit die Regierung Deutschlands das nicht. Sie will - und das ist offensichtlich das Gegenkonzept - "Integration". Zwischen 2000 und 2005 wurde in der BRD leidenschaftlich um das "Zuwanderungsgesetz" gerungen. Dies Gesetz brachte das heutige Integrationskonzept hervor. Es legt auch fest, dass Deutschland ein "Zuwanderungsland" ist und das heißt im Klartext, wie die englische Seite der Bundesregierung im Internet zeigt, ein Einwanderungsland ist. Die CDU hat damals im Bundesrat das von SPD/Grünen getragene Gesetz behindert so gut sie nur konnte. Heute ist "Integration" das Zauberwort. Und "Integrationsunwilligkeit" das Unwort des Jahre 2010. Integration heißt heute: Erlernen der Sprache und - man höre und staune nach 15 Jahren wieder! - Akzeptieren der jüdisch-christlichen "Leitkultur". Einige meinen, dazu müsse noch "Toleranz" kommen, was bedeutet, dass auch Atheisten und Muslime Platz in dieser Kultur haben sollten. Doch da hört der Friede schon auf. Am Dreikönigstag kann Seehofer sein Multikulti feiern, ansonsten einfach behaupten "Deutschland ist kein Einwanderungsland". Basta.

Erinnern wir uns: "Jüdisch-christlich", das hieß 2 Jahrtausende Unterdrückung der Frauen, Intoleranz einander gegenüber und gegenüber anderen Religionen, Glaubenskriege, Inquisition und Sexual- und Lustfeindlichkeit. Und sind die aktuellen Skandale der Katholischen Kirche zum Jugendmissbrauch schon vergessen? Alles, was heute in Deutschland Probleme macht - Frauendiskriminierung, Intolleranz, Zwangsheirat, Macho-Gehabe, Doppelmoral, Missbrauch, Vergewaltigung usw. -, das war lange Jahrhunderte hindurch ausgesprochen "jüdisch-christlich". (Und Zwangsverheiratung von 13-jährigen Mädchen ist auch heute noch "jüdisch".) Hinweggefegt haben diese jüdisch-christlichen Traditionen die Aufklärung, die bürgerlichen Revolutionen, die Frauenbewegung, die Studentenrevolten und einige akademische Deutschländer/innen: Necla Kelek, Seyran Ates, Serap Cileli, Güner Yasemin Balci, Isabella KrothLale Akgün u.a. Wer heute gegen die Muslime wettert, die nicht "integrationswillig" sind, weil sie den Westen verachten, als unmoralisch und unmenschlich bezeichnen, der sollte sich weiß Gott nicht ausgerechnet auf "jüdisch-christliche Traditionen" berufen! Andererseits gibt es keine Grund, den Islam hoch zu preisen und gegen das Juden- oder Christentum auszuspielen. Wenn man vielen Muslimen sexuelle Verklemmtheit und Doppelmoral vorwirft - und dies tun türkische Feministinnen derzeit mit großem Erfolg auf dem deutschsprachigen Büchermarkt -, dann sollte man nicht verkennen, dass das "jüdisch-christliche Traditions"-Gerede ebenso verklemmt und doppelmoralisch ist. Wie sagte da Özdemir: "Unter multikulti verstehe ich, dass eine Frau aus dem Osten, die geschieden ist, keine Kinder hat, im Kommunismus studiert hat und Russisch spricht, Bundeskanzlerin werden darf".

Mehr hierzu unter "Multikulturelle Musikerziehung".